"Wir brauchen kein Weiter so – wir brauchen Haltung!"

24. Februar 2026

Mit deutlichen Worten und klarer Kante hat SPD-Oberbürgermeisterkandidatin Katharina Schrader beim Politischen Aschermittwoch Position bezogen. Über 50 Gäste füllten das Haus International bis auf den letzten Platz und bekamen einen Abend mit Humor, Haltung, Kässpatzn und Klartext.

„Wir brauchen keinen frischen Wind, gefiltert von Luftfiltern der Marke FW. Wir brauchen niemanden, der glaubt, aufräumen zu müssen. Und wir brauchen kein Weiter so“, sagte Schrader gleich zu Beginn. Was Kempten brauche, sei „eine Oberbürgermeisterin, die sich mit Herz und Haltung für diese Stadt einsetzt“.

Haushaltspolitik: „Das rächt sich jetzt“

Deutlich wurde sie mit Blick auf die städtischen Finanzen. Zu viel sei in den vergangenen Jahren „auf dem Altar des schuldenfreien Haushalts geopfert“ worden. Der Sanierungsstau bei Schulen, verschobene Straßensanierungen und immer neue Konsolidierungsrunden seien die Folge. „Ganz ehrlich: Dann hätten wir auch locker noch das neue Jugendzentrum Kempten Ost unterbringen können“, sagte sie und verwies auf ihren Vorschlag zur Gegenfinanzierung.

Gleichzeitig machte sie klar, dass Kommunen strukturell benachteiligt seien. Wenn Städte ein Viertel der staatlichen Aufgaben stemmten, aber nur einen Bruchteil der Steuereinnahmen erhielten, passe das nicht zusammen. Das Sondervermögen für Kommunen sei deshalb „ein Segen – und das gäbe es ohne die SPD nicht“.

Wohnen: „Eigentum verpflichtet“

Beim Thema Wohnungsmarkt zog Schrader eine klare soziale Linie: „Wohnen darf kein Luxus sein. Nicht irgendwann – jetzt.“ Der Markt allein löse das Problem nicht. Eine strengere Regulierung von Ferienwohnungen, eine Zweckentfremdungssatzung und eine aktive Bodenpolitik seien notwendig, um Wohnraum in den regulären Markt zurückzuführen.

Kritik an staatlichen Eingriffen wies sie zurück. „Eigentum verpflichtet auch“, sagte sie und verwies auf die bayerische Verfassung. Kempten brauche echten, bezahlbaren Wohnraum, „nicht möblierte Apartments, die am Mietspiegel vorbeischrammen“.

Mobilität: „Platz für Menschen statt für Blech“

Auch in der Verkehrspolitik setzte sie deutliche Akzente. Für die Innenstadt gelte: „Platz für Menschen statt für Blech.“ Ein autofreier Hildegardplatz an Markttagen, eine verkehrsberuhigte Zone rund ums Rathaus und geschlossene Poller bei Nacht seien überfällig.

Die Verkehrssituation in der Kronenstraße bezeichnete sie als „Schildbürgerstreich und Verwirrung pur“. Beim ÖPNV lobte sie den Ringbus, mahnte aber Verbesserungen insbesondere an Samstagen an. „Und es braucht mehr Menschen im Stadtrat, die auch wirklich mit dem Bus fahren.“

Deutlich wurde sie auch beim Thema Kontrolle städtischer Finanzen. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, sagte sie mit Blick auf die veruntreuten Parkgebühren. „Wenn am Ende Kontrolle fehlt, zahlen die Bürgerinnen und Bürger die Rechnung.“

Bildung und Zusammenhalt

In der Bildungspolitik betonte sie die Verantwortung der Stadt. Gute Kitas und starke Schulen seien keine freiwillige Leistung, sondern Daseinsvorsorge. Bürokratische Verzögerungen und endlose Prüfaufträge kritisierte sie deutlich. „Anpacken heißt nicht Papier produzieren.“

Zum Schluss wurde sie grundsätzlich: „In unserer Stadt ist kein Platz für Rechtsextremismus, Ausgrenzung, Hass und Hetze.“ Vielfalt sei Stärke, Miteinander wichtiger als Nebeneinander. Diese Haltung müsse sich auch am Wahlabend zeigen.

Herzhaft, humorvoll, unterhaltend

Neben der politischen Schärfe kam auch der Humor nicht zu kurz. Stellvertretender Vorsitzender Hans Jürgen Ulm eröffnete die Veranstaltung. Das Kabarettisten-Team um Ludwig Frick, Barbara Uder-Frick, Romy Scheuer und Horst Hiltner brachte den Saal bei ihrer Aufführung von „Stadtarchiv 2031“ immer wieder zum Lachen. Wastl Penski, Lehrer, Busfahrer und Vorstand von Lollipop e.V. Kempten, sorgte mit seiner Poetry-Slam-Zwischenmoderation für lyrische Übergänge.

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