Mit einem gut besuchten Neujahrsempfang im Haus International ist die SPD Kempten in das Kommunalwahljahr 2026 gestartet. Rund 70 Gäste aus Politik, Stadtgesellschaft, Vereinen und Verbänden folgten der Einladung. Im Mittelpunkt des Abends standen der politische Auftakt zur Kommunalwahl am 8. März sowie der Austausch über die Zukunft der Stadt.
Die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Fraktionsvorsitzende im Stadtrat und Oberbürgermeisterkandidatin Katharina Schrader betonte in ihrer Begrüßung die Bedeutung von Engagement und Beteiligung: „Kempten braucht Menschen, die aufstehen, rausgehen und mitreden.“ Schrader blickte in ihrer Rede auf ein Jahr zurück, das politisch anstrengend gewesen sei, teilweise auch hitzig. Sie vermied Schuldzuweisungen, machte aber deutlich, worum es aus ihrer Sicht letztlich gegangen sei: „Wie wollen wir in dieser Stadt zusammenleben?“ Kommunalpolitik, sagte Schrader, werde oft unterschätzt. Tatsächlich wirke sie aber dort, wo politische Entscheidungen den Alltag der Menschen unmittelbar berührten.
Musikalisch begleitet von Toni Lill und Band, sprach Schrader zentrale Themen an, die Kempten weiter beschäftigen würden. Die finanzielle Lage der Kommunen bleibe angespannt, der Sanierungs- und Erweiterungsbedarf bei Schulen und Kitas groß. Auch der Wohnungsmarkt sei eine der drängendsten Fragen. Hinzu komme der seit Jahren geführte Streit um Verkehr und Mobilität. Diese Aufgaben verschwänden nicht mit dem Jahreswechsel, sagte Schrader, sondern verlangten weiterhin klare Entscheidungen.
Politik, so Schrader, finde nicht nur in Berlin oder München statt. „Politik ist das, was direkt vor der Haustür ankommt“, sagte sie und verwies auf konkrete Beispiele aus dem Alltag, vom Busfahrplan bis zur Schule der eigenen Kinder. Kommunalpolitik werde manchmal als „kleine Politik“ bezeichnet. Wer jedoch versucht habe, vor Ort etwas zu verändern, wisse, wie groß die Widerstände sein könnten.
Gastredner des Abends war der Memminger Oberbürgermeister Jan Rothenbacher. Der Sozialdemokrat zog zahlreiche Parallelen zwischen Memmingen und Kempten. Kommunalpolitik mache man für die Menschen, sagte Rothenbacher, „nah an den Bürgerinnen und Bürgern“. Er warb für Zuversicht trotz schwieriger Rahmenbedingungen: „Krisen hat es immer gegeben, wir haben aber auch immer Lösungen gefunden.“ Finanzkrisen und Energiekrisen seien bewältigt worden. Entscheidend sei, sich nicht von Krisenrhetorik lähmen zu lassen und als Kommune handlungsfähig zu blieben. Dafür brauche es eine faire Aufgaben- und Finanzverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Marode Schulen und Kitas dürfe es nicht geben. Migration bezeichnete Rothenbacher ausdrücklich als Chance: „Im Gegensatz zur Staatsregierung sehe ich Vielfalt und viele junge, engagierte, gut ausgebildete junge Menschen. Diese Chance müssen wir nutzen.“
Der Neujahrsempfang war zugleich der Auftakt in den Kommunalwahlkampf. Schrader zeigte sich erfreut über die starke Präsenz der Kandidatinnen und Kandidaten für die Stadtratswahl. Die Liste vereine Frauen und Männer aus unterschiedlichen Altersgruppen, Berufen und Stadtteilen. „Wir sind die soziale Stimme für Kempten“, betonte sie.