Gleichberechtigung verwirklichen

Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) pflegt seit vielen Jahren die Tradition im Januar zu ihrem „Dreiköniginnentreffen“ einzuladen. Diesmal im politischen Teil geprägt vom Kommunalwahlkampf. Die ehemaligen Stadträtinnen Maria Lancier und Ingrid Jähnig trafen sich zu einem kabarettistischem Ratsch über städtische Mängel. Es ging von der Blamage bei Straßenschildern mit Namensgeberinnen, bei aller Freude, dass die ehemalige Bürgermeisterin Lisl Zach jetzt Namensgeberin ist, über die mangelnde Wegweisung zu den Museen bis zum Wunsch einer direkten Radverbindung ohne Treppen zwischen Thingers und dem Cambomare. Letztendlich sahen sie die Kandidatur Martin Bernhards zum Oberbürgermeister als „einen Sechser im Lotto für die Stadt“.
Eine gelungene Veranstaltung von Frauen für Frauen, in der fast mehr Männer als Frauen anwesend waren und die Frauen überzeugend ihre Anliegen vorbrachten.

OB-Kandidat Martin Bernhard war mit der Einladung aufgegeben worden etwas zu den Dingen zu sagen, was „Frauen wünschen“. Kurzweilig ging er das Thema „Emanzipation“ an. Die kurze Gültigkeitsdauer vieler Gesetze zur Gleichberechtigung zeigte er auf. Dazu den Unterschied zu der realen Lebenssituation. Er kritisierte dabei den Fortbestand vieler Rollenbilder in den Bildungsangeboten, die nicht den heutigen Bedürfnissen entsprechen. So ist für ihn als OB ein wichtiges Ziel Gleichberechtigung in der Verwaltung zu verwirklichen. Dafür müssen die Bedingungen von den Möglichkeiten der Kinderbetreuung, über schulische Angebote bis zu den Aufstiegsmöglichkeiten bei gleicher Qualifikation weiter optimiert werden.
Seine Ausführungen führten zu einer lebhaften Diskussion durch die Vorstellungsrunde der anwesenden Bewerberinnen für den Stadtrat. Diese unterstützten seine Ausführungen mit Beispielen. So beklagte Jutta Aumüller die schlechten Bezahlung von Frauenberufen (eine Krankenschwester, Erzieherin oder Altenpflegerin verdient weniger als eine angelernte Kraft in der Metallbranche). Ingrid Vornberger thematisierte den Verlust des männlichen Vorbildes in der Erziehung (Kindergarten, Schule). Lajos Fischer zeigte auch die Kehrseite auf, dass in der Schule eher die Jungen derzeit die Verlierer sind. Katharina Schrader wies darauf hin, dass es bei den beruflichen Karrieren umgekehrt ist. Barbara Uder-Frick und Romy Scheuer forderten sich verstärkt weiter für Kinder und Jugendliche mit einem Kinderbüro einzusetzen. Ilknur Taghanli will den Zugewanderten und Einheimischen durch ihr Engagement als Beispiel gelebter Integration wirken. Sie kann gut in zwei Kulturen in Kempten leben und sich für alle einbringen.
Bevor es dann zum gemütlichen Teil des Nachmittags über ging, wurden die anwesenden Stadtratskandidaten namentlich vorgestellt und so Emanzipation gelebt.