Frauen schützen und mitgestalten lassen

Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) aus Kempten hatte zu ihrem traditionellen Dreiköniginnentreffen wiederum eine Bundestagsabgeordnete als Referentin zum Thema Frauen in der Entwicklungspolitik eingeladen. ASF-Vorsitzende Ute Kosak verwies eingangs auf die über 10jährige Tradition dieses Treffens und begrüßte Besucher von Füssen bis Opferbach und Dr. Bärbel Kofler, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Traunstein. Diese weckte durch die Schilderungen der Erfahrungen bei ihren Reisen („ Entwicklungshilfepolitik kannst du nur vor Ort richtig machen!“) viel Aufmerksamkeit und schaffte ein Bewusstsein in der Versammlung für ihr Thema. Das Leben im Allgäu, in Bayern, in Deutschland ist mit dem in vielen Ländern Asiens und Afrikas nicht zu vergleichen. Dort ist es stark von der Landflucht bestimmt. Aus ihrer Sicht muss Entwicklungspolitik dazu beitragen, die Globalisierung gerecht zu gestalten und dabei Mensch und Umwelt in den Mittelpunkt politischen Handelns zustellen. Das ist leider unter dem jetzigen Minister nicht möglich und nicht dessen Ziel, so ihre Aussage. Da geht es nur um Förderpolitik für deutsche Unternehmen. Das sei zwar nicht schlecht, ist nur nicht Entwicklungspolitik. Da gehören andere Standards in den Blickpunkt.

Für sie vor allem die Bildungspolitik. Die Einschulung von Mädchen hat sich zwar erheblich im letzten Jahrzehnt gesteigert, trotzdem gibt es große Unterschiede und die Nachhaltigkeit ist nicht gesichert. Die Qualität dieser Bildungsangebote gilt es auszubauen und anzuheben. Wenn der Blick auf die Verringerung der Kindersterblichkeit in vielen Regionen gerichtet wird, so ist es nach Koflers Sicht besser, den Blick auf die Frauengesundheit zu legen. Trotz vieler starker Frauen in Asien und Afrika fehlen die generellen Vorbilder, hindert die Frühverheiratung und die Angst vor sexueller Belästigung. Es gibt z.B. meist keine getrennten Toiletten in den Schulen. Die Armut verhindert die Bildung. Wir müssten nur zwei Generationen bei uns zurückdenken, so ihr Bezug zu unserer Welt, da half eine allgemeine Schulspeisung und wurden Schulgebühren angeschafft. Das sagt sie den Wohlhabenden und Eliten in den Regionen. Bildung und Gesundheit sind für Kofler die Schlüsselbegriffe einer richtigen Entwicklungspolitik, da besonders die Frauengesundheit durch angepasste Hygiene, Familienplanung, Mindestmaßnahmen sozialer Sicherung. Die Frauenkompetenz in diesen Ländern ist stark. Sie leisten 75% der unbezahlten Arbeit zur Ernährung der Familien. Bei Kriseninterventionen müssten die Frauen und Kinder in den Mittelpunkt gestellt werden, denn diese bilden 70% der Flüchtlinge auf der Welt. Ihre Fähigkeiten gegen die Verrohung in der Gesellschaft zu wirken werden zu wenig genutzt. Bei aller Zusammenarbeit zwischen UN, EU und nationalen Programmen beklagt sie trotzdem die mangelnde Koordinierung. Eine Ursache sieht sie darin, dass dann die nationalen Anteile zu wenig öffentlichkeitswirksam in Erscheinung treten. Zudem beklagt sie, dass Deutschland noch weit von der zugesagten Förderanteilen entfernt ist. Immer wieder kreist sie mit ihren Armen im Gespräch um zu symbolisieren, dass alles viel zu langsam geht. Die Welt, die Lage der Frauen und Kinder könnte mit einer anderen Politik besser aussehen. Das Engagement und die Überzeugungsarbeit von Bärbel Kofler führten zu einer langen Diskussion, die abgebrochen werden musste, da eine nachfolgende Veranstaltung den Saal benötigte. An ihren Erfahrungen wollten viele teilhaben.